Schottland

Von Glagow nach Edinburgh

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Schriften und Fotografien haben meine Tagträume seit jeher inspiriert, so sehr, dass ich es, nachdem ich einige verlockende Reiseberichte gelesen hatte, für selbstverständlich hielt, eines Tages in dieses sagenhafte und geheimnisvolle Schottland aufzubrechen. Nie hätte ich mir diese Reise jedoch so anstrengend, so abenteuerlich vorgestellt …

11. Februar 2019. Mein Basislager aufschlage, um von dort aus zu Flieger landet in Glasgow. Vor mir lie- gen sieben Wochen, um das Land, das mich so sehr fasziniert, – über das ich aber zugegeben kaum etwas weiss – zu bereisen, zu entdecken und im Bild festzuhalten. Bis auf den Hin- und Rückflug sowie zwei Übernachtungen im Hotel ist nichts genauer festgelegt. Lediglich ein paar unverzichtbare Orte hatte ich mir auf meiner dünnen Papierkarte mit dem Stift eingekreist und mir dann eine hypothetische Reiseroute erdacht. Mich allein und mitten im Winter auf den Weg zu machen, mag kurios erscheinen, das gebe ich zu. Die Nächte sind lang, das Klima rau und ich muss mich darauf gefasst machen, dass viele Dienste über den Winter eingestellt sind. Diese Jahreszeit hat jedoch etwas Geheimnisvolles, Abenteuerliches, und genau das macht mich neugierig. Und da ich mich von der Idee, einen Leihwagen zu mieten, verabschiedet habe, trage ich nun knapp 40 Kilo Ausrüstung mit mir herum: Zelt, Gaskocher, Wasserfilter, Schlafsack, Fleecejacke, Steigeisen, Stativ, Lebensmittel, was man eben so braucht, um unabhängig in der Natur zu sein. Der Grossteil der Ausrüstung wird auf eine Sackkarre mit zwei Rädern geladen, der Rest – Gehäuse und Fotoobjektive – findet im Rucksack Platz. Diese Lösung erlaubt es mir, mich zwei bis drei Kilometer fortzu- bewegen, ohne zu schwere Lasten tragen zu müssen oder auf ein Taxi angewiesen zu sein. Ich zähle auf die öffentlichen Verkehrsmittel, um von Stadt zu Stadt zu gelangen, entlang der wilden Küsten und über die entlegenen Inseln, bevor ich ein
Fuss weiterzuwandern.

ZWISCHEN REGEN UND HEITEREN ABSCHNITTEN
Der Zug lässt die Glasgower Vororte hin- ter sich und fährt nun durch das offene Gelände. Das erste Bild, welches sich in mein Gedächtnis einprägt, ist das einer Herde weidender Kühe, die auf einem Feld knietief im Wasser steht. Etwa ein Vorgeschmack auf meine Mini-Expedition? Während ich drei Tage später mein Lager am Fusse des Ben Nevis aufschlage, setzt Regen ein. Binnen 48 Stunden schwillt er zu einem ausgewachsenen Regensturm an und verwandelt sich, um keine Langeweile aufkommen zu lassen, hin und wieder in Hagelschauer. Diese stürmische Front wird mich – wenn auch immer wieder von heiteren Abschnitten unterbrochen – über die gesamte Strecke an der Westküste ent- lang, also gute fünf Wochen, regelmässig begleiten. Rissige Hände, Zeltlager im Moorland, ständig feuchte Kleidung und feuchter Schlafsack, Beschlag im Inneren der Fotoapparate; ich begreife allmählich, was es heisst, hier in Einklang mit den Elementen zu leben … Die Wochen vergehen, magische Orte und Inseln wechseln sich ab: Glenfinnan, Skye, North Uist, Lewis. In Wirklichkeit komme ich nur schleppend voran, denn abseits der Hauptverkehrswege nutze ich häufig den Schulbus. Aus Mangel an Alternativen ist er ein offizielles Fortbewegungsmittel, und obwohl er manchmal langsam ist, ermöglicht er besser als jedes andere, sanft in dieses Land einzutauchen.

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