Sibérie

Die Zeit der grossen Vergebung


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Nach drei Jahrhunderten zaristischer Herrschaft ermordeten die Bolschewiki im Juli 1918 die Familie Nikolaus II., des letzten Zaren Russlands. Sie ahnten nicht, dass die mächtige russisch-orthodoxe Kirche noch 100 Jahre später im westsibirischen Jekaterinburg ihrer Ermordung gedenkt. Jedes Jahr pilgern tausende Kirchenanhänger aus ganz Russland hierher, um den Zaren um Vergebung zu bitten. Die Wladimir Putin sehr nahestehende Kirche rächt sich nun für diese unheilvollen Jahre.

Kurzer geschichtlicher Rückblick. Von 1613 bis 1917 regiert die Romanow-Dynastie das Land über drei Jahrhunderte
hinweg. Dieses 22 Millionen Quadratkilometer grosse Reich erstreckt sich von Polen im Westen über Baku und Taschkent im Süden bis nach Finnland im Norden und Wladiwostok im Osten. Auch ein wesentlicher Teil Zentralasiens
zählt dazu, ganz zu schweigen von der russischen Kolonisierung Amerikas, darunter Alaskas.
Die Industrialisierung Russlands erreicht im frühen 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt, viel später als in anderen
europäischen Ländern. Trotz dieser Verzögerung vollzieht sich die wirtschaftliche Entwicklung unter der Herrschaft Alexanders III. (1881-1894) relativ schnell. Dies setzt sich fort, als sein Sohn Nikolaus II. an die Macht kommt. Im Jahr 1913 ist das Russische Reich die dritte Weltmacht und das bevölkerungsreichste Land der westlichen Welt.
Dank ausländischem Kapital zeichnet sich ein weiterer Aufschwung in der Schwerindustrie und im Transportwesen
ab. Doch die Ansichten des Zaren sind sehr konservativ und erlauben es ihm nicht, diese wirtschaftliche Dynamik auch für die Modernisierung der Gesellschaft zu nutzen. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wird das zaristische Russland hauptsächlich von armen Bauern und einer neuen Arbeiterbevölkerung ohne Bildung bewohnt. Sankt Petersburg gerät in völlige Vergessenheit.
Die Hochzeit Nikolaus II. ist seit Anbeginn der Romanow-Dynastie die einzige Liebesheirat. Für den Zaren steht die Familie an erster Stelle. Die Romanows profitieren von ihren zahlreichen Palästen fernab der Sorgen des Volkes. Während das Reich immer mehr zerfällt, widmen sich der Zar und die Grossherzöge ausgiebigen Jagdausflügen. Zu Beginn dieser Regentschaft verzeichnet man nicht weniger als 638’830 getötete Tiere und Vögel. Nikolaus II. hatte den Thron Russlands stets abgelehnt; das tödliche Attentat auf seinen Grossvater wurde seinen kaiserlichen Ambitionen zum Verhängnis.

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