Ladakh

Das Ballett der Kobrafrauen


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Wo sich die aus Tibet und Zentralasien kommenden Karawanenstrassen kreuzen, wartet das einstige Königreich Ladakh, das Teil der tibetischen Hochebene ist, mit einer ganz besonderen Folklore auf. So zählt beispielsweise der Perak, ein Kopfschmuck, den die Frauen hier an Festtagen tragen, zu den bewundernswertesten der tibetischen Kultur.

Mit dem Motorrad, genauer gesagt mit einer Enfield, fahre ich über die Strassen des im äussersten Norden Indiens gelegenen kleinen indischen Bundesstaats Jammu und Kaschmir. Diese Strassen zählen zu den höchsten des Himalaja. Nach einer drei- stündigen Fahrt über staubige Pisten komme ich durchgefroren und erschöpft noch vor Einbruch der Nacht in dem auf 4’200 m Höhe gelegenen Dörfchen Photoksar an. Am Eingang zu meiner Unterkunft begrüsst mich das Gesicht eines zerzausten Kindes mit einem klangvollen «Djule!».
Dolma, die Mutter der Familie, bittet mich herzlich herein. Sie lebt hier mit ihrer Schwester, ihren Kindern und ihrem Mann. Ich betrete die Küche, den Hauptraum jedes traditionellen Ladakh-Hauses, der im Winter als einziger beheizt wird. Auf den Regalen, die sich an den Wänden entlang- ziehen, stapeln sich Töpfe aus Edelstahl und Kupfer. Nahe beim Ofen, in dem Yak- Dung verheizt wird, umfängt mich wohlige Wärme. Ich geniesse eine heisse Tasse Tee. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne erhellen den Raum und mein Blick fällt auf zwei sonderbare rote Stoffbahnen, die vollkommen mit blaugrünen Steinen überzogen sind. Dolma erklärt mir, dass es sich bei diesen Perak (oder Pe Rag) um ihren eigenen Kopfschmuck und den ihrer Schwester handelt.

TÜRKISE, DIE GLÜCK BEDEUTEN
Der Perak (von «ferozah», dem persischen Wort für «Türkis» und von «rak», dem ladakhischen Wort für «Reihe») ist halb Schmuck, halb Kopfbedeckung. Er besteht aus einer Filz- oder Lederbahn, die mit einem roten Stoff bezogen ist, auf dem sich aufgesetzte Türkise aneinanderreihen. «Steine, die Glück bedeuten, mit Strahlkraft und Lebenskraft ausgestattet sind und für Reichtum und Schönheit stehen. Die schönsten und grössten sind dem Kopf vorbehalten, damit sie auf den Träger die ihnen zugeschriebene Schutzkraft ausüben können …», erläutert Pascale Dollfuss, Ethnologe am CNRS, dem französischen Zentrum für wissenschaftliche Forschung in Paris. Neben dem Türkis können auch andere Steine wie Karneol, Perlmutt oder Bernstein in diesen Kopfschmuck eingearbeitet werden. Die Mitte des Kopfteils ziert die Ga’u, ein silbernes oder goldenes, von Türkisen eingefasstes Reliquienkästchen.

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