Annapurna

Auf dem Sterneweg

By  | 

Fans des legendären Annapurna Circuit können aufatmen. Die Krone des weltweiten Trekkings, die wegen des sprunghaften Anstiegs an Routen rund um das Bergmassiv in der Banalität zu versinken drohte, hat sich dank einer originellen Strecke ihren besonderen Reiz zurückerobert. Eine Entdeckung.

eisfelder ziehen vorbei und das Mosaik aus grünen und goldenen Farbtupfern wird hier und da von einem verschlafenen Dörfchen, von unter der Last ihrer Rückentragekörbe gebeugten Menschen oder von behäbigen Büffeln unterbrochen, die unserem vorbeifahrenden Bus nachschauen. Wie oft schon war ich auf dieser bezaubernden und zugleich endlosen Strasse unterwegs, die von Kathmandu nach Besisahar führt, dem Ausgangspunkt des Trekkingabenteuers an den Hängen des zehnthöchsten Bergs der Erde? Unzählige Male … Der Verkehr hat zwar zugenommen und ich bemerke mehr Antennen und Stromleitungen auf den Dächern, aber mir bieten sich die gleichen idyllischen Szenen wie immer. Die gleichen entwaffnend lächelnden Gesichter. Unsere kleine Gruppe aus weniger als einem Dutzend, in der Mehrzahl nepalerfahrenen, ja nepalerprobten Teilnehmern, wird bei dieser dreiwöchigen autarken Mini-Expedition von einem lokalen Team aus einem Sirdar, einem Küchenteam, Hilfssherpas und gut zwanzig Trägern begleitet.
Anstatt uns unter die Trekker einzureihen, die von Bhulbule oder Ngadi in Richtung der klassischen Route um die Annapurna-Gebirgskette aufbrechen, geht es in Jeeps Richtung Ghalegaon. Das in 2.100 Metern Höhe an der Südflanke des Bergmassivs gelegene grosse Dorf bietet bereits einen atemberaubenden Blick auf die beiden Achttausender Annapurna und Manaslu. In dieser ersten Woche werden wir uns zunächst in aller Ruhe akklimatisieren, um anschliessend die erste Hürde unserer Route in Angriff zu nehmen, den geheimnisvollen Namun La in 4.900 Metern Höhe. Mit jeder Etappe gewinnen wir mehr an Höhe und die täglichen positiven Höhenunterschiede werden geringer: 750 Meter, 600 Meter, 300 Meter …

BLUMEN ZUR BEGRÜSSUNG IN GHAN POKHARA
Wir gehen über eine breite bewaldete Kuppe, die zu einem luftigen, mit Rhododendren geschmücktem Grat wird, zuerst Wiesen, dann Moränen. Der erste Tag wird geprägt von Begegnungen mit den Gurung, einem tibetisch-birmanischen Volk im Himalaja, die ihren Lebensunterhalt als Bauern und Hirten bestreiten. Insbesondere in dem bezaubernden Örtchen Ghan Pokhara, das rittlings auf einer gerodeten Bergschulter liegt. Hier werden wir mit Blumenkränzen aus goldfarbenen Studentenblumen begrüsst, denn heute wird das Lichterfest (Tihar oder Dipavali) gefeiert und für die hinduistischen Nepalesen beginnt das neue Jahr. Weiter oben scheren Hirten, die fast wie Korsaren anmuten, ihre Ziegen mit einer Art Handsichel. Sie haben kein Auge für die vielzähligen, in Eis gehüllten Gipfel: Annapurna IV und II, Lamjung Himal, Ngadi, Manaslu, Himlung, Himal Chuli und Buddha Himal … Wirklich beeindruckend! Schönheit und Fremdartigkeit gehen Hand in Hand und steigern sich von Mal zu Mal: das erste kleine Biwak im Regenwald, das nächste auf einem moosbedeckten Absatz, vor einer Kharka (oder Hochweide) mit einem Meer aus Wolken als Zugabe und schliesslich ein Drei-Sterne-Camping an einem heiligen See, einem aus der Zeit gefallenen Mikrokosmos.

>>ABONNIEREN SIE DAS MAGAZIN ANIMAN !<<

Abonnez-vous dès maintenant à notre NEWSLETTER et recevez les informations en exclusivité: Nouveautés, concours, voyages et bien plus encore!